Dienstag, 14. Januar 2014

Bouldern in Prilep - Best of the Rest


Nachdem das alte Jahr uns vor allem mit dem „Mazedonischen Sonnenschein“ (= dichtester Nebel der Welt) beglückte, hofften wir natürlich alle darauf, dass wir im neuen Jahr davon verschont bleiben würden.
Dieser Wunsch ging zwar nicht direkt in Erfüllung, denn der allmorgendliche Einkauf beim Miniladen um die Ecke, brachte das gleiche Kondensat auf die Brille wie die Nebel-Suppe im Vorjahr, allerdings stellten wir fest, dass unser neuer Bouldersektor „Monastery“ über der Suppe liegt und mit wolkenlosem blauen Himmel aufwartete.
Dieser Zustand sollte dann auch bis zum Abflugtag des ersten Teils am 6. Januar anhalten :-)

über der Nebelsuppe von Prilep

noch nicht erschlossene Blockfelder hinter dem Kloster
Mit dem Start ins neue Jahr fielen auch die ersten Erstbegehungen wie:
„Radioactive Man, 7C“. Einer rechtsaufsteigenden Leistenlinie mit athletischen Zügen und einem fiesen Mantle am Ende, der einem noch mal alles abverlangt, was an Schub noch übrig ist, oder
„Wiedergeburt, 7A+“ die nach 3 maligem Griffausbruch abwechselnd von Axel und Jochen diverse Male erstbegangen wurde. 

Vera bei der Erstbegehung von "Publikumsjoker, 7A+"
Freude über Sonnenschein und erfolgreichen Durchstieg

Insgesamt konnten wir rund 35 Boulder in dem neuen Gebiet putzen und erstbegehen unter denen mit Sicherheit Peters „Sea of Clouds, 8A+“ noch einmal, was die Schwierigkeit und die Komplexität betrifft, heraus sticht.
Der Boulder ist relativ kompakt im Vergleich zu den meisten anderen Boulder in Prilep, mit Ausnahme eines Hörnchens, dass Peter aber geschickt auf seine Nase herausgerissen und somit zu Gunsten der Gesamtästhetik entfernt hat.
Zudem sind die vorhanden Sloperzangen in Kombination mit wenigen Tritten so weit voneinander entfernt, dass selbst Peter seine Schwierigkeiten hatte einzelne Züge zu machen, was unsere ursprüngliche Einschätzung von ~7C als falsch deklarierte.
Wir schwankten am Ende zwischen 8A und 8A+ und entschieden uns für letzteres, da der Normalboulderer nicht zwingend eine Körpergröße von 1,95m mit extrem positivem Ape-Index aufweist ;-)

Axel bei der Erstbegehung von "Golden Haze, 7B+"
 
Der neue Spot ist insgesamt aus mehreren Gründen sehr lohnend:

1.  Die Boulderqualität ist mindestens genauso gut wie in den bestehenden Sektoren, tendenziell ein wenig besser.
2.  Man kann direkt bis zu den Blöcken fahren und spart sich einiges an Zustieg.
3. Man ist meist über dem winterlichen Nebel unterwegs, hat Sonne und dazu wegen der Ausgesetztheit auch ordentlich Wind :-) 

Axel bei der Erstbegehung von "Illusion, 7A+"

Tom bei einer der ersten Wiederholungen von "Monastery, 6C"

Aktuell arbeiten wir an einem kleinen Topo zu dem neuen Spot und ein Video gibt’s demnächst auch. Wenn beides fertig ist, gibt’s auch noch mal eine Zusammenfassung mit den wichtigsten Infos, die man braucht wenn man in Prilep bouldern will. (Welchen Kaffee kann man genießen? Wo kann man günstig einkaufen? Wo gibt’s das beste Sirdan? usw…)





Montag, 6. Januar 2014

Bouldern in Prilep - Tag 3 - 5

Nun mit etwas delay wegen des schlechten Wifi-Emfangs der Report zu den Tagen 3-5:


Das in Mazedonien so einiges anders ist als bei uns haben wir ja bereits geschrieben. Aber dass das auch für den Wetterbericht gilt, der eigentlich konstant gutes Wetter angezeigt hatte und wir nun seid Tagen im Nebel sitzen, wussten wir nicht.

Blöcke suchen im Nebel

Das Merkwürdige ist allerdings, dass man von den Felsen bei uns gewohnt ist, dass man bei Nebel besser nen gemütlichen Tag daheim verbringt, als raus bouldern zu gehen, da eh alles nass ist. Hier hat der Fels erstaunlicherweise trotz maximaler Sicht von 10m noch ordentlich Grip.
So verbrachten wir die Tage nicht daheim, sondern fingen an die ersten Blöcke zu putzen. 


aus 5m Entfernung war der Block kaum noch zu sehen
Aufgefallen ist uns dabei leider auch, dass wir unseren ersten Eindruck ein wenig revidieren müssen. Die Felsqualität ist nicht das, was man erwartet, wenn man die Blöcke sieht. Auch robust aussehende Griffe halten nicht das, was sie versprechen.
Blöcke gibt es viele, aber oft sind diese nicht ansatzweise von der Festigkeit, die man von Granit erwartet. Gott sei Dank trifft das nicht auf alle zu und wir haben ein paar Highlights gefunden, entrümpelt, entmoost und werden versuchen die Dinger in den nächsten Tagen erstzubegehen. Die wohl interessantesten Neuentdeckungen konnten wir bei der Treskavec Monastery machen.

Treskavec Monastery
 Hier hat es auf 1200m in einem kleinen Umfeld um das besagte Kloster einige gute Linien, die nur darauf warten geklettert zu werden. Auf dieses Gebiet wollten wir uns auch die noch kommenden Tage beschränken, da hier vor uns quasi niemand Boulder geputzt hat und somit die Eröffnung eines völlig neuen Sektors möglich war. 

erstes Auschecken von Peters Projekt nach getaner Putzarbeit

irgendwie scheint alles was an Struktur absteht früher oder später rauszureißen...in diesem Fall auf Peters Nase
Nach der ganzen Putzaction und Sucherei freuten wir uns auf das wohlverdiente Feierabendbier und die anstehende Neujahrsfeier. Es war ja schließlich der 31.12. 
Sylvester hier in Prilep wird im Stadtzentrum gefeiert, wo sich die meisten Anwohner versammeln und zu Livemusik tanzen. Von 22:00 – 2:00 Uhr spielen dann die bekanntesten mazedonischen Bands (von deren Gesang wir leider kein einziges Wort verstehen konnten) und dazu gibt es kostenlos heißen Schnaps und Tee.
Angespornt von Alkohol und Musik ließen wir uns es dann auch nicht nehmen uns einfach in die kreisförmigen Volkstänze einzureihen und mit den Prilepern das neue Jahr zu feiern.
Peter wurde einige Male versehentlich „eingekreist“, wodurch ca. 100 Prileper wie um einen Tannenbaum um ihn herumtanzten. Erst war er ein wenig irritiert, feierte aber dann in der Mitte einfach weiter. Mit unseren bunten Jacken oder vielleicht auch durch unseren Tanzstil fielen wir in dem Getümmel ganz schön auf, obwohl wahrscheinlich die ganze Stadt vor Ort war. Irgendwann schienen wir die Moves aber gut genug zu beherrschen und so luden uns dann auch ein paar ältere Herrschaften, von denen wohl einer auch mal Bergsteiger war, in ihren Kreis ein. Diese wollten natürlich alles wissen was wir hier so treiben und waren vom Bouldern auch sichtlich begeistert.
Auf jeden Fall war der diesjährige Sylvesterabend eine besondere Erfahrung für alle von uns.


In diesem Sinne: Srekna Nova Godina ! – ein frohes neues Jahr !